20.09.2018

Von der Fräse zur "Demenz-WG"

Im dritten Jahr in Folge nahmen der ASB Bergisch Land und die Firma anton clemens am „Azubi Social Day“ der IHK Köln teil.

Der angehende Werkzeugmechaniker Jan Biesenbach beim Ausflug mit der „Demenz-WG“ im Freilichtmuseum Lindlar.

Normalerweise haben sie es mit schwerem Gerät zu tun. Maximilian von Moock und Jan Biesenbach machen eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei der Firma anton clemes in Bergisch Gladbach-Herkenrath. Dort werden technisch anspruchsvolle Kunststoffteile hergestellt, für die wiederum die entsprechenden Rohlinge gebraucht werden. Wo Max und Jan täglich hobeln, feilen und fräsen, da fallen auch Späne. „Bevor wir an die computergesteuerten Geräte gehen, lernen wir die handwerklichen Grundlagen. Da bearbeitet man zum Üben auch mal mehrere Tage lang ein U-Profil,“ erinnert sich Max an sein erstes Lehrjahr.

Im normalen Alltag arbeiten sie mit schwerem Gerät. Maximilian von Moock und Jan Biesenbach bei der Arbeit mit einer Fräse.

Doch für einen Tag im Jahr lassen sie ihr Werkzeug ruhen und engagieren sich in einem sozialen Projekt. Bereits zum dritten Mal kooperiert die Firma anton clemens im Rahmen des „Azubi Social Day“ mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Bergisch Land. Bei der Aktion, die von der IHK Köln ins Leben gerufen wurde, gehen Auszubildende von Industriebetrieben in ausgewählte gemeinnützige Einrichtungen, um dort für einen Tag soziale Projekte umzusetzen. Im Rahmen des diesjährigen Projekts des ASB begleiteten die Auszubildenden eine Gruppe von Menschen mit Demenz auf einem Ausflug ins Freilichtmuseum Lindlar.
In Bergisch Gladbach-Bensberg besitzt der ASB zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz. Nach einem ersten Kennenlernen in Bensberg fuhren sechs Bewohnerinnen und Bewohner mit den Auszubildenden nach Lindlar. Dort war der Nachwuchs aus der Industrie gefordert als Betreuungsperson und helfende Hand.
Max und Jan waren dabei die „Team Captains“ der Azubi-Gruppe. Die anderen Auszubildenden kamen von verschiedenen Betrieben in der Region. Da Max und Jan schon mehrfach bei der IHK-Aktion dabei waren, wissen sie, wie alles abläuft. Auch dieses Jahr nahmen sie wieder mit Begeisterung teil. „Ich mache das jetzt zum dritten Mal. Und ich finde die sozialen Projekte und die enge Kooperation mit dem ASB echt klasse! Das ist mal etwas Anderes und man bekommt Einblicke in einen Bereich, den man sonst gar nicht so kennt“, sagt Jan.

Spaziergang durch das Freilichtmuseum: Auszubildende der Industrie mit Bewohnerinnen und Bewohnern der ASB-Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz.

Die jährliche IHK-Aktion ist auch für den ASB ein Highlight. Anne Paweldyk, Geschäftsführerin des ASB Bergisch Land, freut sich über das Engagement der Auszubildenden aus der Industrie. „Der Aktionstag ist ja eine rein freiwillige Sache der Betriebe und ihrer Auszubildenden. Das heißt, die jungen Leute unseres Partners anton clemens bringen auch ein großes eigenes Interesse mit. Dadurch können wir schnell etwaige Berührungsängste mit Menschen mit Demenz abbauen“, betont Paweldyk.
Von Seiten der Firma anton clemens betreut Prokurist Johannes Kraus den Aktionstag. „Wir finden, das ist eine großartige Sache. Seit wir dabei sind, findet das großen Anklang bei unseren Auszubildenden. Mich fragen sogar ehemalige Azubis, die wir übernommen haben und die jetzt fest bei uns arbeiten, ob sie nicht wieder mitmachen können“, erzählt Kraus.

Die ASB-Ausflugsgruppe des „Azubi Social Day“ im Freilichtmuseum Lindlar.

Im Freilichtmuseum in Lindlar angekommen, bilden Jung und Alt direkt eine eingespielte Einheit. Jan unterhält sich vor der historischen Schmiede des Museums mit einem Herrn aus der „Demenz-WG“ über die Metallverarbeitung vor 100 Jahren. Währenddessen reicht Max einer Dame die Hand, damit sie die Treppe am Eingang hinaufkommt. Die mitgereiste Leiterin der ASB-„Demenz-WG“, Michaela Augustin, zeigt sich sichtlich erfreut über ihre „Praktikanten“. „Die machen das gut, mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Sie könnten direkt morgen bei uns anfangen“, schmunzelt sie.
Am Ende des Tages steht eine Zusammenkunft aller Auszubildenden an, die am „Azubi Social Day“ teilgenommen haben. Dann ist Zeit zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. „Wie jedes Jahr ist das wieder ein super Tag“, hält Max schon während des Museumsbesuchs fest. „Besonders schön finde ich, dass die Leute so gut drauf sind und so viel lachen,“ ergänzt Jan. „Ich hoffe, das mache ich in dem Alter auch noch!“